ADHS bei Kindern und Erwachsenen

Mohinder Singh Jus äusserte sich bei einer Fachtagung am 8. April 2017 zum Thema „ADHS bei Kindern und Erwachsenen“. Hier eine Zusammenfassung seiner Gedanken.

In der Schule

In unserem Schulsystem ist kein Spielraum für die Zeit der individuellen Persönlichkeitsentwicklung vorgesehen welche die individuelle Entwicklung unabdingbar ist. Viel Stoff wird gelehrt und eine Menge von Informationen, welche das Gemüt überschwemmen, wird eingetrichtert. Kinder finden dies meist uninteressant und versuchen auszuweichen. Sie schauen woanders hin, denken sich anderes, interessanteres aus und entwickeln spontan eigene Ideen und Pläne. Sie fallen dadurch auf und sind oft wiederholter Beschämung und viel Schelte ausgesetzt. Man will sie in die Welt der Zahlen und Gleichungen zurückholen.

 
«Die Individualität eines Kindes hat in unserem Schulsystem keinen Platz»

Will ein Kind etwas Bestimmtes nicht auf die vorgeschriebene Weise tun, so wird es als schwierig, untauglich oder krank eingestuft. Alle Kinder müssen die gleichen Regeln befolgen, obwohl sie unterschiedliche Individualitäten sind. Vielleicht finden sie aber nur die von den Erwachsenen festgelegte und angewandte Logik völlig unlogisch.

Dr. Mohinder Singh Jus

Mohinder Singh Jus hat zusammen mit seiner Frau Martine Jus das SHI Haus der Homöopathie gegründet und bis zu seinem unerwarteten Tod am 10. Juni 2019 mit viel Engagement und Kompetenz geleitet. Seine Liebe galt sein Leben lang der Homöopathie, sie war seine Mission und er verstand sie als eine Heilkunst.

Dr. Mohinder Singh Jus

Ein Kind mag vielleicht allen gesellschaftlichen Anforderungen genügen. Es ist ein guter und gewissenhafter Schüler, hilfsbereit und rücksichtsvoll, sein Zimmer ist aufgeräumt und seine Sachen hält es in Ordnung.  Jeden Tag wird geduscht, regelmässig die Zähne geputzt und den Eltern ein Gutenachtkuss gegeben. Solche Eigenschaften machen das Leben der Eltern einfach und glücklich. Was aber wenn das Kind verklemmt ist, seine Gefühle nicht zeigt, nicht weint, sich nicht ausdrücken kann? Was, wenn es in seinem Leben nichts Neues anfangen kann, Schwierigkeiten hat mit Menschen in Kontakt zu treten, es nicht schafft mit den Eltern und der Gesellschaft zu kommunizieren? Was unternehmen wir hinsichtlich seines zerstörten Selbstvertrauens und seiner gebrochenen Persönlichkeit? Dieses Kind wächst voller Zorn, Traurigkeit und Frustration heran da ihm nur gestattet war sich in 'akademisch' geplanter Weise zu entwickeln. Der lebenswichtigste, emotionale Aspekt wird dabei unterdrückt. Dieses Kind mag zwar später als Erwachsener im Beruf erfolgreich sein, aber als Mensch versagen.

Ritalin

Bei verhaltensauffälligen Kindern wird heute häufig das Medikament Ritalin verschrieben. Das Mittel kann eine scheinbar beruhigende Wirkung haben. Die Konzentrationsfähigkeit wird besser, das Kind ist weniger stur, und es tut, was man von ihm erwartet. Nur, seine Gefühle und sein Verlangen nach freiem Denken und freier Bewegung werden dabei unterdrückt. Die Folge ist ein depressiver Zustand. Dazu kommt aufgestauter Zorn, der wie der Schlund eines Vulkans ist. Diesen kann man bekanntlich nicht versiegeln, früher oder später kommt es zu einem Ausbruch.

 
«Versuchen wir doch, unsere Kinder zu verstehen und Zugang zu ihrer Welt zu finden, bevor wir von ihnen verlangen unsere Welt fraglos zu akzeptieren»

Man vermutet, dass schreckliche Ausbrüche unterdrückten Zorns, bei denen jemand kaltblütig Mitmenschen tötet, die Folge einer langjährigen Unterdrückung von Gefühlen mittels Ritalin und anderer Psychopharmaka sein kann. Versuchen Eltern, die ihren hyperaktiven Kindern Ritalin geben sich ihr eigenes Leben leichter zu machen?  Immerhin gibt das Kind nach, fügt sich, es kämpft und tobt nicht, wird umgänglicher. Das kommt Eltern oder Lehrer, die aufgrund eigener Probleme gestresst und ausgebrannt sind, entgegen. Es bleibt die Frage: Dürfen Eltern so agieren und so ihre eigene Überforderung an den unschuldigen Kindern auslassen?

ADHS bei Erwachsenen

ADHS betrifft nicht nur Kinder sondern auch erwachsene Menschen. Hyperaktivität, Impulsivität und schlechte Konzentration, welche sich als Unaufmerksamkeit äussern, sind die typischen Anzeichen für ADHS bei Erwachsenen. Viele davon sind mit Ritalin behandelt worden oder nehmen es sogar weiterhin. Dies ist leider keine Lösung, sondern nur die Unterdrückung des Problems. Man pflückt ja schliesslich auch keine faulen Äpfel vom Baum. ADHS Menschen leiden unter einer ständigen inneren Unruhe. Sie ist die Wurzel des Problems und muss als Ganzes betrachtet und behandelt werden. Unruhe ist bekanntlich das Gegenteil von Ruhe. Nur Letzteres kann die Seele weiterentwickeln damit diese zur vollen Grösse und Klarheit findet.

Schlussgedanke 

Unsere Gedanken, unser Lebensstil, die Atmosphäre daheim und in der Schule - all dies wirkt sich auf die Kinder aus. Es ist wirklich nicht immer einfach, das Gemüt jedes einzelnen Kindes anzusprechen und zu den Wurzeln der Probleme vorzudringen. Es ist und bleibt eine Herausforderung! Liebe, Geduld und Toleranz sind die wichtigsten Mittel um dem Problem beizukommen. Versuchen wir doch, unsere Kinder zu verstehen und Zugang zu ihrer Welt zu finden, bevor wir von ihnen verlangen, unsere Welt fraglos zu akzeptieren.